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Konzept und weitere Basistexte
Kurzkonzept In der Produktionsschule (PSA) werden Waren und Dienstleistungen
produziert und vermarktet. Die Waren werden nicht für den Eigenbedarf
hergestellt, sondern auf dem Markt angeboten. Den Kern der Produktionsschule bilden vier Werkstätten. Der allgemeinbildende Unterricht findet in der Produktionsschule nicht als isolierter Unterricht statt. Die Aneignung theoretischer Kenntnisse geschieht, wenn immer möglich, im Zusammenhang mit der Produktion. Darüber hinaus erhalten die Schülerinnen und Schüler Kursangebote zur Erreichung eines Schulabschlusses. Der Produktions- prozess ist so organisiert, dass Raum gelassen wird für schriftliches Arbeiten und Reflexionsphasen. Der Produktionsbetrieb wird an einem Tag in der Woche unterbrochen. In dieser Zeit sind die Jugendlichen in einem betrieblichen Lang- zeitpraktikum. KooperationDie PSA unterhält intensive Kontakte zu Wirtschaftsbetrieben,
sozialen Einrich- tungen und Schulen der Region. Sie ist eine Stadtteilschule. Die Produktionsschule ist für den Besuch von 44 Schülerinnen und Schülern vorge- sehen. Es handelt sich dabei um berufsschulpflichtige Jugendliche, die ihre Vollzeitschulpflicht in der Regel ohne Schulabschluss beendet haben und bei denen zu erwarten ist, dass sie kein anderes schulisches Angebot annehmen werden. Aufgaben und ZieleAufgabe der Produktionsschule ist es:
Die Produktionsschule Altona (PSA) - Mehr als eine Modellschule mit Vorbildcharakter - Kultur des Arbeitens, Lernens und Zusammenlebens eröffnet Jugendlichen berufliche und persönliche Perspektiven Hamburg, 12. September 2005. Genau vor sechs Jahren, im September 1999, wurde die Produktionsschule Altona in Anwesenheit der damaligen Schulsenatorin Rosemarie Raab zusammen mit der Bildungspolitischen Sprecherin der GAL, Christa Goetsch, offiziell eröffnet. Damit wurde die erste Produktionsschule in Hamburg eingeweiht. Nach dänischem Vorbild gestaltet, ist diese Stadtteil- und Ganztags- schule eine Alternative zur traditionellen Berufsvorbereitung. Ziel ist es, Theorie und Praxis zu verbinden, das heißt, die Schüler werden ganztags an der PSA in Deutsch, Mathematik und Englisch unterrichtet und arbeiten an realen Aufträgen externer Kunden. Diese Auftragsarbeiten, Waren und Dienstleistungen, werden in den vier hauseigenen Werkstätten produziert. Es handelt sich dabei um eine Medienwerkstatt (Internet und Grafik), eine Tischlerei, den Bereich Küche/ Kantine und eine Videowerkstatt. Die Produkte erfüllen professionelle Qualitäts- ansprüche und werden zu marktüblichen Preisen angeboten. Die Arbeitszeit der Jugendlichen sowie der Mitarbeiter orientiert sich am gewerblichen Arbeitstag. Die Schüler erhalten für ihre Tätigkeit einen Lohn in Form eines Schulgeldes von monatlich 150,- Euro. "Schüler lernen kundenorientiert und verbindlich zu arbeiten. So verschaffen wir ihnen Startvorteile. Die Entlohnung für ihre Tätigkeit ist für die Jugendlichen Anerkennung und Motivation zugleich", weiß Schulleiter Thomas Johanssen. Das Angebot richtet sich vorwiegend an Jungen und Mädchen, die mindestens neun Schuljahre absolviert haben, ohne den Hauptschulabschluss zu erlangen. Die Schule neuen Typus bietet die Chance den Abschluss nachzuholen und sich zugleich auf eine Lehre vorzubereiten bzw. für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Der Besuch der Schule ist freiwillig. 44 Jugendliche aus verschiedenen Nationen sind im August dieses Jahres an der PSA gestartet. Schulleiter Johanssen bedauert, dass er nicht mehr Schüler aufnehmen kann: "Es haben sich viermal so viele Jugendliche bei uns beworben. Das bestätigt uns, dass ein Bedarf besteht und wir mit unserem Konzept richtig liegen. Diese jungen Menschen begreifen die Ausbildung hier als Chance. Ihre Chance ist aus gesellschaftlicher Sicht gesehen auch unsere Chance, denn junge Menschen, die gleich in die Arbeitslosigkeit gehen, können nicht gut sein für Deutschland." Die Kooperative Produktionsschule Altona ist eine GmbH mit gemeinnütziger Zweck- bindung. Sie baut Kontakte zu Schulen, zu Trägern der Jugendhilfe und Wirt- schaftsbetrieben auf und pflegt sie. Gesellschafter der PSA sind die Patriotische Gesellschaft, die Bildungswerkstatt Altona, die Jugendhilfe Ottensen und die "Motte". Neben dem Jahresetat der Schulbehörde und den Einnahmen aus Kundenaufträgen trugen bis 2005 die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius und die Firma Philips zur Finanzierung bei. Seit August dieses Jahres fördert der Europäische Sozialfonds (ESF) für 12 Monate eine Neuausrichtung der Videowerkstatt. Zur dauerhaften Sicherung der Produktionsschule Altona werden weitere Fördergelder benötigt, die sich die Betreiber z.B. aus der Privatwirtschaft und von Stiftungen erhoffen. Die Produktionsschule Altona (PSA) ist eine "andere" Schule, die Arbeiten, Lernen und Zusammenleben in einem engen Zusammenhang organisiert. Jugendliche werden hier auf Ausbildung und Beruf vorbereitet. Die PSA ist keine Zwangsanstalt, sondern baut auf Freiwilligkeit. Die praktische Arbeit in den Werkstätten steht im Mittelpunkt. Durch die Herstellung von marktfähigen Produkten und Dienstleistungen wird den Jugendlichen Verantwortungsbewusstsein, Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit vermittelt. Zur¸ck zur ‹bersichtProduktionsschulen - Ein kurzer Blick auf die Geschichte von gestern bis heute - Thomas Johanssen, Schulleiter der Produktionsschule Altona, resümiert: Die Ursprünge der Produktionsschuldiskussion in Deutschland reichen in die 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück. Pädagogen im "Bund der entschiedenen Schulreformer" um Paul Oestreich diskutierten 1920 auf der Reichschulkonferenz über die Produktionsschulen. Ihnen ging es um eine neue Schule in einer neuen Gesellschaft. Sie propagierten die "Elastische Einheitsschule" als Vision einer de- mokratischen Schule und wandten sich gegen die bisherige Lernschule mit ihrer einseitigen "Wissensbildung". Die neue Schule sollte "die intellektuelle, technisch- werktätige und künstlerische Veranlagung gleichmäßig bewerten und fördern." Anders als Paul Oestreich vertrat der Münchner Stadtschulrat Georg Ker- schensteiner das Konzept einer Arbeitsschule mit einer Ausrichtung auf die staats- bürgerliche Erziehung der Zöglinge, auf eine Idee eines sittlichen Gemeinwesens in einem nationalen Ideal. Gemeinsam ist beiden die scharfe Kritik an der Lern- oder Buchschule einerseits, die Betonung der praktischen Arbeit in Werkstätten der Schulen anderseits. Auch wenn sich in den heutigen Produktionsschulen Elemente der bereits damals diskutierten Vorstellungen finden, scheint eine Bezugnahme auf diese Tradition problematisch. Zwar stellen die heute existierenden Produktionsschulansätze auch eine Schulkritik unseres bestehenden Systems dar, doch wir hüten uns vor dem Hintergrund der damaligen politischen und gesellschaftlichen Bedingungen des kaiserlichen bzw. des Weimarer Schulwesens davor, eine Wiederauferstehung alter Reformkonzepte zu beschwören. Die gegenwärtige Diskussion um Produktionsschulen ist weniger ideologisch. Durch diesen Schultyp soll die Gesellschaft nicht verändert werden, die Diskussionen sind eher pragmatisch über das Verhältnis von Pädagogik und Ökonomie, über politische Durchsetzungsstrategien und, schon kontroverser, darüber, ob Produktionsschulen allein ein Instrument der Benachteiligtenförderung oder ein pädagogisches Prinzip darstellen, das für viele Jugendliche eine geeignete Form des Lernens darstellt. Dennoch sind die heutigen Produktionsschulen nicht ohne Vorbild, allerdings we- niger mit einer historischen Bezugnahme. Vielmehr orientieren sie sich an den verschiedenen Beispielen der Produktionsschulen in Dänemark. Die pädagogischen Grundprinzipien, nach denen in den Schulen unseres Nachbarlandes gearbeitet wird, finden sich in unterschiedlich ausgeprägter Weise in den deutschen Produk- tionsschulen wieder. Deutsche Lehrkräfte haben in Dänemark viel gelernt über Pädagogik, darüber wie man in einer Produktionsschule respektvoll mit jungen Menschen umgehen kann, wie ein förderliches Klima geschaffen werden kann, auch darüber, welche Wirkun- gen von schön gestalteten Räumen ausgehen. Stand der EntwicklungNach einer von Prof. Roland Schöne
(TU Chemnitz) durchgeführten Studie (im Auftrag des BMBF) zum aktuellen
Entwicklungsstand der Produktionsschulen in Dänemark, Österreich
und Deutschland gibt es in Deutschland gegenwärtig etwa 22 Produktionsschulen
und Einrichtungen mit produktionsschulorientiertem Ansatz. Sie arbeiten
in ganz unterschiedlichen Trägerschaften, Organisations- und Rechts-
formen. Es gibt Kooperationen zwischen Trägern und beruflichen Schulen,
es gibt PS als autonomer Teil einer Berufsschule und es gibt PS in kommunaler
Trägerschaft. Was vielen Fachleuten seit langem bekannt ist, das haben die verschiedenen PISA- Studien belegt und einer interessierten Öffentlichkeit ins Bewusstsein gebracht, nämlich, dass das deutsche Bildungssystem eine große Zahl von jugendlichen Systemverlierern hervorbringt. Jährlich verlassen um die 10% der Abgänger die Schulen ohne einen Abschluss. Sie alle, aber auch die meisten schlecht Qualifi- zierten mit einem Hauptschulabschluss, bleiben erst einmal ohne eine berufliche Perspektive. Sie finden keine Aufnahme im Dualen System der Berufsausbildung. Zahlen über das gigantische Ausmaß dieser "Bildungsbenachteiligten" liegen vor beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), bei der Arbeitsverwaltung, bei den Bildungsbehörden der Länder. Es ändert sich aber nichts. Jedes Jahr bleiben viele Zehntausend nach wie vor ohne Lehrstelle. Es werden präventive ergänzende Angebote für Jugendliche benötigt, die dann wirksam werden, wenn Schüler in unserem herkömmlichen Bildungssystem zu scheitern drohen, wenn es also noch nicht zu spät ist. Misserfolgserlebnisse und Negativerfahrungen dürfen sich nicht so sehr verfestigt haben, dass der schulische Abstieg und damit die sich anschließende Maßnahmekarriere drohen. Produk- tionsschulen mit ihrem Konzept von Bildung durch gesellschaftlich nützliche Arbeit, können ein solches Angebot sein, denn:
Zu betonen ist, dass schulisches Lernen nicht nur in theoretischem Unterricht
statt- findet. In schulischen Werkstätten wird auch nicht einfach
nur gearbeitet. Das Ent- scheidende in der PS ist die gelungene Verbindung
von theoretischem und prakti- schem Lernen. Es geht um einen umfassenden
Lernprozess, der weder durch die Schulglocke noch durch den Wechsel vom
Klassenzimmer, auch Lernlokal genannt, in die Werkstatt unterbrochen bzw.
zerteilt wird. Es wird also immer der praxis- bezogene Aspekt zur Verdeutlichung
der Theorie und umgekehrt der theoretische Aspekt in die Praxis einfließen. Zur Zielgruppe der Produktionsschulen zählen:
Eine solche Zielgruppenbestimmung ist allein der Logik eines Reparatursystems geschuldet. Sie geht davon aus, dass es jährlich eine bestimmte Zahl von System- verlierern gibt, die dann in einer Warteschleife gehalten werden und anschließend von der Agentur für Arbeit entweder noch einmal in eine weitere berufsvorberei- tende Warteschleife weitergereicht und/oder auf ihre Vermittelbarkeit hin geprüft werden. Ist die nicht gegeben, dann werden die Jugendlichen sich selbst überlas- sen, im anderen Fall sieht die Zukunft auch nicht viel besser aus, denn für sie gibt es keine Ausbildungsplätze. Die Träger der Berufsvorbereitung sollen aber Vermitt- lungserfolge vorweisen, sonst wird ihnen der Geldhahn abgedreht. Ein Teufelskreis. Würde man präventiv denken, dann wäre rechtzeitig und pädagogisch angemes- sen zu reagieren. Nicht Standardfestschreibungen, Zentralprüfungen und neue Lehrpläne sind allein die richtige Antwort, sondern es müssen neue Antworten dafür gefunden werden, welche Unterrichtformen und Unterrichtsinhalte dazu taugen, um Jugendliche zu befähigen, den Anforderungen an die heutige Berufswelt gerecht zu werden. Nicht der Wissensdrill wird die erwünschten Ergebnisse bringen, sondern die individuelle Förderung von Kindern und Jugendlichen, die ihre Begabungen und Möglichkeiten zum Ausgangspunkt macht und ihnen eine Schule anbietet, in der sie gleichermaßen gefördert und gefordert werden können. Hier schließt sich wieder der Kreis zu den Diskussionen der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts und wir können feststellen, dass die neuen Grundsatzfragen nach dem richtigen Weg des Lernens gar so neu nicht sind. Zur¸ck zur ‹bersichtInterview mit dem Schulleiter Thomas Johanssen Was hat Sie damals dazu bewogen, das Konzept für die Produktionsschule nach däni- schem Vorbild zu erarbeiten? Ich habe viele Jahre an der Berufsschule gearbeitet und festgestellt, dass es sinnlos ist, gegen die Abwehr von Schülern anzuarbeiten, gegen ihre Abwesenheit anzugehen und die hohen Abbrecherquoten zu beklagen. 1989 besuchte ich erstmals in Dänemark eine Produktionsschule. In unserm nördlichen Nachbarland gab es schon damals mehr als 100 Schulen dieser Art. Das Konzept hat mich sofort überzeugt. Mit verschiedenen Unterstützern habe ich mich damals daran gemacht, dieses Modell auch in Hamburg zu verwirklichen. 1989 hatten Sie dieses Konzept erstmalig den Hamburger Behörden vorgestellt, warum wurde es erst 10 Jahre später in die Tat umgesetzt? Die Frage lässt sich nicht so einfach beantworten. Offiziell wurden finanzielle Grün- de von der Schulbehörde genannt. Ein Grund dürfte aber gewesen sein, dass die Auffassung vertreten wurde, dass die Berufsvorbereitungsklassen die richtige Schulform für alle benachteiligten Jugendlichen wären. Auch wenn es bis zur Um- setzung lange gedauert hat, entscheidend ist, dass wir schließlich doch alle Ent- scheider von unserem Konzept überzeugen konnten. Wie unterscheiden sich die Klassen der PSA von den berufsvorbereitenden Klassen der Berufsschule? Der erste Unterschied ist, dass die Produktionsschule Altona eine Stadtteil- und Ganztagsschule ist. Es gibt keine Klassen, sondern nur kleine Werkstattteams, Lern- und Projektgruppen. Der Besuch der Schule ist freiwillig. Im Mittelpunkt steht bei uns an der Schule die Arbeit, verbunden mit Schülergeld. Es gibt feste Arbeitszeiten, aber keine Unterrichtsstunden, auch wenn natürlich Deutsch, Mathematik und Englisch unterrichtet werden. Die Herstellung von Produkten und das Angebot von Dienstleistungen für Kunden bieten die Möglichkeit anders zu lernen. Die Schüler können an der PSA den Hauptschulabschluss nachholen. Grundsätzlich lautet unser Motto: Lernen im Produktionsprozess und somit Startvorteile für Ausbildung und Beruf erwerben. Woher stammen Ihre Lehrkräfte? Aus der Praxis mit Betriebserfahrung. Außerdem gibt es zwei Lehrer. Ist die PSA politisch motiviert? Die Idee der Produktionsschule ist immer von allen Fraktionen im Rathaus unter- stützt worden. Der GAL gelang es 1997, die Produktionsschule im Koalitionsvertrag mit der SPD zu verankern. Damit war die Voraussetzung für eine konkrete Umsetzung geschaffen. Die Produktionsschule Altona ist nicht unpolitisch, aber von ihrem Selbstverständnis her natürlich überparteilich. Was unterscheidet die PSA von anderen Berufsvorbereitungseinrichtungen? Erst einmal unterscheiden wir uns von anderen Schulen dadurch, dass nicht das Lernen aus Büchern im Vordergrund steht, sondern praktisches Lernen an realen Kundenaufträgen. Es gibt also einen engen Zusammenhang von Theorie und Pra- xis. Projektarbeit und Praxisangebote gibt es auch in anderen Schulen, aber eine konsequente Marktorientierung praktiziert allein die PSA. Mehrere Nationen bei 44 Schülern, gibt es da nicht Probleme? Die Vermutung liegt nahe, allerdings taucht dieses Problem praktisch nicht auf. Das liegt zum einen sicherlich daran, dass in Altona viele Menschen unterschiedlicher Kulturen wohnen, es quasi zum Alltag gehört, zum anderen aber auch daran, das neben der ernsthaften Arbeit in den Werkstätten, eine besondere Kultur des Zusammenlebens und Lernens in der PSA herrscht. Die Toleranz der Schüler im Miteinander ist beispielhaft. Wie viele Bewerber gibt es? Die Anzahl der Bewerber steigt jedes Jahr kontinuierlich. Allein in diesem Jahr hatten wir 220 Jugendliche, die gern bei uns starten wollten. Wir selbst können nur 44 Schüler aufnehmen. Auf jeden Fall wird deutlich, dass der Bedarf für dieses Schulmodell gegeben ist. Die Schüler erhalten Geld für ihre Arbeit, muss Lernen bezahlt werden? Ich möchte betonen, die Jugendlichen besuchen die PSA freiwillig. Da aber die Arbeit im Mittelpunkt steht und diese sich am gewerblichen Alltag orientiert, gehört auch eine Entlohnung für ihre Tätigkeit dazu. Das ist eine Form der Anerkennung, aber auch eine Motivation. Und zweifellos wirkt dieses Prinzip auch disziplinierend, denn wer beispielsweise Stunden schwänzt, dem wird entsprechend das Schülergeld gekürzt. Die Schüler sollen schließlich auf Ausbildung und Beruf vorbereitet werden, da werden sie mit einem ähnlichen Alltag konfrontiert. Sie sagen, die Arbeit steht in der PSA im Mittelpunkt: Lernen die Schüler so nicht zu wenig? Die Arbeit ist nicht isoliert zu betrachten, sondern ein wesentliches Element des Lernens. Es wird am Produktionsprozess gelernt. Das heißt, auch die Aneignung theoretischer Kenntnisse geschieht, wenn immer möglich, im Zusammenhang mit der Produktion. Deutsch, Englisch und Mathematik sind ebenfalls fester Bestandteil des Lehrangebots. Wer sind externen Auftraggeber für Ihre Werkstätten? Wir haben sowohl staatliche als auch private Auftraggeber. Unsere Kunden kom- men aber auch aus der Wirtschaft und von Stiftungen. Welche Produkte oder Dienstleistungen bieten Sie Kunden an? Wir haben mehrere Werkstätten: eine Medienwerkstatt (Webdesign und Druckgra- fik), eine Tischlerei, den Bereich Küche/Kantine und eine Videowerkstatt. Wir bauen zum Beispiel Möbel, machen Internetauftritte und Imagefilme, produzieren Flyer und Broschüren oder arbeiten als Caterer auf Festen. Wir erfüllen individuelle Kundenwünsche fast jeder Art. Warum bieten Sie Ihre Produkte und Dienstleistungen nicht günstiger an als der Markt, um noch mehr Aufträge zu generieren? Unsere Angebote erfüllen höchste Qualitätsansprüche und Qualität hat ihren Preis. Wir sind damit marktfähig aufgestellt. Das belegt die hohe Kundenzufriedenheit. Wir haben aber auch die Auflage, dem ersten Arbeitsmarkt keine Konkurrenz zu machen. Welche aktuellen Kundenaufträge gibt es? Unsere Tischler bauen für einen Reiterhof ein behindertengerechtes WC-Haus, für eine katholische Schule fertigen sie Möbel für das Lehrerzimmer. Die Schüler der Grafikwerkstatt entwickeln eine Broschüre für eine Kita in Bergedorf. In der Me- dienwerkstatt entsteht die Website für einen Betrieb, der Ferien auf dem Bauernhof anbietet. Unsere Kantine hat gerade das Catering - neben dem täglichen Mittags- tisch in der PSA - für eine Veranstaltung der Großstadtmission abgewickelt. Es gibt also keinen Auftragsmangel. Wie hoch ist die Vermittlung von Schulabgängern in Ausbildungsplätze? Für unsere Schüler geht es zuerst einmal um einen Schulabschluss. Mehr als 80% derjenigen, die zur Externenprüfung zugelassen werden, erreichen ihn. Das ist ein großer Erfolg. Was den Übergang in eine Ausbildung bzw. Arbeit angeht so liegt die Quote zwischen 40 und 50%. Allerdings gibt es eine immer geringer werdende Bereitschaft der Betriebe Jugendliche mit Hauptschulabschluss auszubilden. Dieses Schicksal teilen unsere Schüler mit den meisten Abgängern von Hauptschulen. Die Finanzierung der Produktionsschule Altona erfolgt durch die Schulbehörde, die ZEIT-Stiftung, die Firma Philips und den Europäische Sozialfonds (ESF) sowie durch die Einnahmen aus Kundenaufträgen. Der Förderzeitraum der ZEIT-Stiftung, von Philips und vom ESF ist aber befristet und endet in diesem bzw. im nächsten Jahr. Wie wollen Sie die weitere Finanzierung der Produktionsschule absichern? Die langfristige Finanzierung ist ein Thema, das uns sehr beschäftigt. Wir sind auf die Förderung durch Dritte angewiesen, da wir uns durch die Einnahmen aus dem Verkauf unserer Waren und Dienstleistungen nur teilweise finanzieren können. Eine vollständige Eigenfinanzierung ist uns als Schulbetrieb nicht möglich. Deshalb sind wir dankbar für staatliche Fördergelder und die Unterstützung von Stiftungen. Darüber hinaus sind wir auf der Suche nach Sponsoren aus der Wirtschaft. Die Vermittlung von jungen Menschen in Beschäftigung ist schließlich in unser aller Interesse.
Bundesverband Produktionsschulen (ehemals Arbeitsverbund Produktionsschu- len Nord, Juni 2006) Produktionsschulprinzipien Der Bundesverband Produktionsschulen (BVPS) hat sich mit der Zielstellung gegründet, die Umsetzung des Produktionsschulgedankens qualitativ abzusichern und das Produktionsschulkonzept weiterzuentwickeln. Der BVPS legt hiermit fach- liche Prinzipien für die Produktionsschularbeit vor. Die Festlegung von Prinzipien im Sinne von Standards ist notwendig, um den derzeitigen Initiativen und Aktivitäten in ganz Deutschland Perspektiven für den Aufbau einer exzellenten Produktionsschule zu weisen. Präambel 1. Ziele
2. Allgemeine Merkmale
3. Zielgruppen
5. Pädagogischer Rahmen
6. Kompetenzfeststellung und Förderplanung
7. Didaktische Leitlinien
8. Lernumgebung - Lernatmosphäre
9. Organisation der Lern- und Arbeitsprozesse
10. Fachkräfte - Personalentwicklung
11. Strukturelles
12. Finanzielles
13. Verbünde/Kooperationen/Netzwerke
Für den Arbeitsverbund Produktionsschulen Nord (Erstunterzeichner):
Armin Albers (JAW Fachdienst) - Volker Böhm (CJD Prignitz) - Arnulf Bojanowski (Universität Hannover, Institut für Berufspädagogik) - Hauke Brückner (Bildungs- und Arbeitswerkstatt Südtondern gGmbH) - Peter Fricke (Bildungswerkstatt Stiftung Jugendbildung) - Marlies Geers (JAW Schleswig-Stadt) - Cortina Gentner (Universität Hannover, Institut für Berufspädagogik) - Isabell Goßmann (Werk-statt-Schule e.V. Hannover, Produktionsschule) - Andrea Greiner-Jean (CJD Insel Usedom-Zinnowitz, Produktionsschule Wolgast) - Beate Hermes (Produktionsschule Westfalen, Kolping-Bildungszentrum Werl) - Barbara Hülsmeyer (Jugendhilfe Stadt und Land e.V. Spartakuß/Auszeit, Hanse Produktionsschule) - Gernot Iske (Produktionsschule Barth) - Achim Jänecke (CJD JD Celle) - Thomas Johanssen (Produktionsschule Altona) - Ernst Karger (JAW Nauen) - Holger Kiehn (Produktionsschule Müritz im CJD Waren/Müritz) - Dieter Kleinwegen (CJD JD Celle) - Klaus-D. Landsmann (bfw / inab) - Holger Legatzki (JAW-Norderstedt) - Thomas Lembke (Ausbildungs- und Jugendwerkstatt der VHS Heidekreis) - Siegmund Linder (Produktionsschule Rothenklempenow) - Herbert Martin (Werk-statt-Schule e.V. Hannover) - Bernd Reschke (Werk-statt-Schule e.V. Hannover, Produktionsschule) - Bianca Schmidt (JAW-Flensburg) - Angela Seemann (Ausbildungs- und Jugendwerkstatt der VHS Heidekreis) - Torsten Teich (Produktionsschule Altona) - Steffen Wiersch (CJD Prignitz) Mitwirkung: Ministerium für Justiz, Arbeit und Europa des Landes Schleswig-Holstein, Referat Arbeitsmarkpolitik, SBG II, Ansprechpartnerin: Maren Staeps Druckversion
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